366. GF Bodensee von Martin Gunzenhäuser

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10 Tage 366. DCC-Gemeinschaftsfahrt – volles Programm!

Der “normale” Camper schüttelt nur den Kopf: Eine Gemeinschaftsfahrt von nur 10 Tagen, und das noch im (angeblich) wohlbekannten Heimatland und – als zweifelhaftem Höhepunkt – , ohne das eigene wohlausgerüstete Gefährt bewegen zu müssen. Und doch gab es dies vom 30.09. bis 09.10. in Lindau am Bodensee mit überquellender Teilnahme von Clubmitgliedern, hochinteressantem Programm, meist bestem Herbstwetter und vor allem mit trautem Zusammensein aller Teilnehmer.
Anlass dazu war die Verabschiedung unserers überaus beliebten Fahrtleitungsehepaars Brigitte und Manfred Michalski aus ihrem jahrelangen Einsatz als Reisebetreuer des DCC. Ohne einer auführlichen Würdigung vorzugreifen, lasst mich hier von einigen Höhepunkten der Reise bereichten.

Der erste Paukenschlag am ersten Wochenende auf dem Campingplatz Gitzenweiler Hof, war ein Oktoberfest mit allem was regionalbedingt dazugehört, sowohl ess- und getränkemäßig als auch hinsichtlich der unüberhörbaren Beteiligung der großen Festversammlung zur Unterstützung der Blasmusik. Zur Beruhigung der Nerven schloß sich am nächsten Abend ein kriminalistischer Workshop mit Handlungseinlagen der Zuhörerschaft an, gestaltet von einer fachkundigen Autorin mit sehr detaillierten Kenntnissen des auch intimeren Campinglebens.

Zum Tag der Deutschen Einheit war ein sogenannter Ruhetag angeordnet, der auch wie die meisten der folgenden Freiräume im Programm zu angeregten Aktivitäten Anlass gab, beispielsweise die Herstellung von Schütteltorten und deren Vertilgung im Rahmen einer riesigen Kaffeetafel, Rate- und Würfelspiele, letzteres übrigens im Gegensatz zum modernen Sozialverständnis geschlechtsgetrennt! Verfeinert wurden die Spiele mit einer Unzahl von wertvollen und begehrten Gewinnen: Plüschtiere, Schuhlöffel, Schraubendreher, Putzschwämme und dergleichen.

Als Höhepunkt solcher Interrimstätigkeite bildete wieder eine Fahrzeugtaufe nach jahrelang bewährtem Muster: Prozession durch den gesamten Campingplatz in angemessener Kleidung (vor allem mit phantasievollen Kopfbedeckungen), Absingen von liturgischen Wechselgesängen, die eigentliche Taufzeremonie mit Namensgebung. Abschließend durften die begnadeten Fahrzeugeltern die ganze Festgesellschaft wie üblich mit reichlicher Atzung und Tränkung beglücken, auch wie sonst, je länger und aufwendiger, desto ehrenvoller für die Gastgeber.

Solchermaßen begann am nächsten Tag die Kulturphase unseres Treffens: Zunächst das in Fachkreisen wohlbekannte Automuseum im Schloss Wolfegg: Hier waren sachkundige Campingfreunde versucht, die in ihrer Jugendzeit gewonnenen einschlägigen technischen Erfahrungen durch die Teildemontag einzelner Exponate zu vertiefen. Die anderen erfreuten sich an der Vielfalt der unterschiedlichsten Ausstellungsstücke und den dazugehörigen hurmorvollen Ausführungen des Museumsgründers.

Zur Aufarbeitung des Gesehenen begaben sich die Reisenden in der Nähe von Wangen in eine Käserei, dort erhielten sie – mit anspruchsvoller Ganzkörperverkleidung versehen – einen humorvollen Einblick in eine Käseherstellung, die sich qualitativ gesehen stark an althergebrachten Maßstäben orientieren soll. Den Käse selbst sah man erst anschließend bei einem ausgiebigen Vesper, das für weitere Exkursionen Kraft schenkte.

Kraft war im folgenden auch notwendig, denn anderntags stand bereits die Besichtigung des Zeppelinmuseums in Friedrichshafen an. Hier wurden uns in aller Ausführlichkeit die einst weltbeeindruckende technische Entwicklung des Luftschiffs, seine Einsätze im ersten Weltkrieg, die erdumspannenden Fahrten danach, aber auch die schrecklichen Katastrophen in gekonnter Anschaulichkeit von einer Führerin nahegebracht. Übrigens: Bei unseren Ausflügen hatten wir öfters die Gelegenheit, eines der neuen Luftschiffe über Land und Bodensee zu beobachten.

Anschließend ging es im Friedrichshafener Schulmuseum entspannter zu. Vor allem die früher als pädagogisch sinnvoll angesehenen Erziehungsmaßnahmen stießen bei der aufmerksamen Zuhörerschaft auf ungeteilte Aufmerksamkeit: Knien auf Scheitholz, Prügelstrafe auf das nackte Hinterteil, Reiten mit Maske auf einem hölzernen Esel und dergleichen. Selbstverständlich gab es auch Einblicke in raffinierte Schönschreibübungen, sehr zweckmäßiges Lese- und Rechenübungsmaterial sowie Hinweise auf Kleinklassen von zwei bis drei Schülern in Klosterschulen. Alles Ansatzpunkte für moderne Schulreformen!

Technik- und zuvörderst Camingfreunde waren naheliegenderweise bei Hymer in Bad Waldsee am richtigen Ort. Die bedeutende Geburtsstätte von Wohnwagen und Campingmobilen beeindruckte die technisch und qualitativ, besonders für Laien höchst erstaunliche Organisation der hochwertigen Fertigung. Spontane Bestellungen der Besucher ergaben sich nicht allzuhäufig, dazu war die Angebotsbreite dann doch zu groß. Verständlicher waren dann die Verpflegung im Werkrestaurant und die anschließende Besichtigung des riesigen Werkmuseums. Hier konnte jeder mitreden, die relativ kurze geschichtliche Entwicklung unserer Gefährte war in technischer, gebrauchsgeeigneter und kostenmäßiger Hinsicht augenscheinlich.

Zum Ausklang gab es wieder Kultur: Kloster und Schloß Salem sowie die Basilika “Unserer lieben Frau” in Birnau. Hier zeigen sich am eindruckvollsten die Höhepunkte des Barocks und dem nachfolgenden Rokoko mit ihrer Unzahl von Monumenten, ihren drallen Barockengelchen und honigschleckender Putten, die Säulen und Altäre bevölkern. Ergänzend zu diesen fröhlichen Eindrücken und zurück zu den alltäglichen Gegebenheiten nahmen die Besucher in Salem dankbar die Möglichkeit zu einer kleinen Weinprobe und zu einem frugalen Mahl in Markgräflichen Gefilden wahr.

Der Schreiber verzichtet jetzt auf weitere Einzelausführungen zu dieser Fahrt, der geneigte Leser kann aber verstehen, dass die 366. Gemeinschaftsfahrt ein Höhepunkt unserer vielen Unternehmen mit dem DCC war. Maßgeblich war die einzigartige Landschaft mit ihrem Abwechslungsreichtum und ihrer Schönheit, besonders aber die Herzlichkeit der Teilnehmer und die tadellose Organisation. Dazu soll hier nur ganz kurz vermerkt werden: Der nimmermüde, ideenreiche, stets hilfsbereite und freundliche Einsatz unseres Leitungsteams stellt eine Meisterleistung dar, für die wir Brigitte und Manfred Michalski zu großem Dank verpflichtet sind.

Martin Gunzenhäuser

2016-11-14T18:25:21+02:00